Pressemitteilung

Aus Anlass sich verdichtender Ereignisse zur Frage der Nachnutzung des Berliner Blumengroßmarktes erklärt die Initiative Berliner Kunsthalle am 22.12.2008

Der Berliner Blumengroßmarkt - ein Zwischenbericht

Ein spektakuläres Kunst- und Kulturareal im Herzen Berlins kündigt sich an

Die Pläne des regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit, im Rahmen eines Immobiliendeals, von Investoren am Humboldthafen neben dem Hauptbahnhof die lang diskutierte „Berliner Kunsthalle“ erbauen zu lassen, sind in der Öffentlichkeit auf breite Ablehnung gestoßen. Es ist zweifelhaft, ob sich Interessenten für das vorgeschlagene Finanzierungsmodell finden lassen. Sollten sich keine Investoren finden, steht die verschuldete Stadt vor der Alternative, einen teuren Neubau zu errichten oder eine bestehende Halle zur Kunsthalle umzubauen.

Als Alternativstandort ist seit langem die Blumengroßmarkthalle in der Südlichen Friedrichstadt im Gespräch. Die 6.000 qm fassende Halle, mit spektakulärer Sheddacharchitektur, eignet sich hervorragend als Ausstellungsort. Das hat die „Initiative Berliner Kunsthalle“ mit der „Kunstinvasion“ bereits im Juni 2008 unter Beweis gestellt. Das Gebäude selbst sowie das 24.000 qm große, brach liegende Gesamtareal befinden sich im Eigentum des Landes Berlin und ist ab 2010 neu zu besetzen. Hier soll nach Wunsch der Bezirksregierung ein neues Areal für Kunst, Kulturwirtschaft und Bildung entstehen.

Das Jüdische Museum Berlin ist Motor der Entwicklung - Liebeskind als Architekt im Gespräch

Nachdem zunächst der Abriss der Halle vorgesehen war, ergibt sich jetzt erneut die Perspektive einer kulturellen Nutzung des Gesamtareals. Erst kürzlich verkündete das Jüdischen Museums den Plan einer Teilnutzung der Blumenmarkthalle. Der Bundestag hat 6 Millionen Investitionsmittel dafür genehmigt.

Sollte es dem Jüdischen Museum, wie angekündigt zudem gelingen den Architekten Daniel Liebeskind erneut für ein Vorhaben zu gewinnen, wäre dies, im Rahmen einer integrierte Planung des gesamten Areals, ein Garant für internationale Aufmerksamkeit. Auch die von Bezirksbürgermeister Franz Schulz ins Spiel gebrachte gemeinsame Nutzung der Halle durch Jüdisches Museum und Berliner Kunsthalle, z.B. mit separaten Eingängen zur Linden- und Friedrichstraße, ist denkbar.

Allerdings dürfen weitreichende Sicherheitsmaßnahmen weder die strädtebaulich notwendige Durchwegung des Areals noch die Ansiedlung anderer kultureller Nutzer verhindern. Wichtig ist, das gesamte Areal zu einem attraktiven und öffentlichen Aufenthaltsort mit vielseitigem kulturellen Angeboten zu machen, von dem Impulse für das gesamte Quartier ausgehen. Durch die Größe des Areals und die zentrale Lage wäre dies, gerade im Kontrast zur traditionellen Museumslandschaft der Stadt und dem geplanten Humboldtforum, ein für Berlin einzigartiger Kulturort.

In einer Workshopreihe zur städtebaulichen Rahmenkonzeption haben Senats- und Bezirksverwaltung sowie lokale Institutionen im Frühjahr 2008 bereits erste Konzepte für eine kulturelle Nutzung des Blumengroßmarktareals entwickelt. Mit der vertiefenden Projektstudie „Kreativquartier Südliche Friedrichstadt“ – unterstützt  seitens der Senatsverwaltung für Wirtschaft und dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, durchgeführt von der Initiative Berliner Kunsthalle – sind die Weichen für eine intelligente Nachnutzung des Areals gestellt. Ergebnisse werden Mai 2009 vorliegen.

Die Südliche Friedrichstadt: Labor der Geschichte und neues kulturelles Zentrum

Das an der Grenze zwischen Kreuzberg und Mitte gelegene multikulturell geprägte Quartier gehört zur historischen Mitte Berlins. Es steckt voller Entwicklungspotential, historischer und kultureller Anknüpfungspunkte. Die ehemalige Mauerlage des Quartiers ist bis heute prägend. Noch gibt es Leerstand, Brachen und städtebaulichen Erschließungsbedarf.

Geprägt haben die Südliche Friedrichstadt neben dem „Checkpoint Charlie“ die „Internationale Bauausstellung“ in den 80ern, ein reformorientierter sozialer Wohnungsbau und seit den 90ern die spektakulären Neubauten renommierter Architekten, wie Aldo Rossi und Daniel Liebeskind. Der gewachsene und zugleich unvollendete Charakter des Quartiers ist Ausdruck Berliner Geschichte.

Das Quartier hat sich in den letzen Jahren zu einem kulturellen Zentrum der Stadt entwickelt. Mehr als 50 Galerien haben sich hier angesiedelt. Wichtige kulturelle Einrichtungen wie das Jüdische Museum, die Berlinische Galerie, der Martin Gropius Bau, die Dauerausstellung „Topographie des Terrors“, das Technik Museum, das Museum für Kommunikation und die Hebbeltheater befinden sich auf engem Raum.

Und trotz diese kulturellen Dichte fehlt dem Quartier ein zentraler Ort urbaner Kultur. Der im Zentrum des Quartiers liegende Blumengroßmarkt verspricht als städtebauliches Bindeglied zu fungieren und das fehlende Flair zu verbreiten.

Ein Kulturquartier braucht kreative Planung und einen zentralen Ort

Die Gestaltung des Areals zu einem neuen Kunst-, Kultur und Bildungszentrum stellt eine hervorragende Chance dar, die der Berliner Senat nach Kräften unterstützen sollte. Dazu ist ein integriertes Konzept unter Berücksichtigung baulicher und institutioneller Aspekte unverzichtbar.

Die Forderung des Liegenschaftsfonds, ein Organ des Landes Berlin, nach Abriss der Halle Verkauf des Grundstückes an meistbietende Investoren ist von kurzfristigem Kalkül geprägt. Denn Kunst, Kultur und Bildung sind die Motoren der ökonomischen und sozialen Entwicklung der Stadt. In der globalen Öffentlichkeit haben innovative Kunst- und Kulturareale Leuchtturmcharakter und ziehen Menschen und Unternehmen an.

Auf dem Areal des Blumengroßmarktes können neben einer Bildungsakademie des Jüdischen Museums und der staatlichen Berliner Kunsthalle weitere kulturelle Angebote entstehen. Auch eine Parzellierung ist denkbar. Neben einer attraktiven „Plaza“ könnten Unternehmen der Kreativwirtschaft, Künstlerateliers, Bildungsträger, Gastronomie und innovative Wohnformen das Ensemble ergänzen.

Städtebau ist Programm

Ein zentral gelegener Ort gesellschaftlichen und künstlerischen Austausches, in einem Quartier, das einen hohen Bevölkerungsanteil mit Migrationshintergrund hat und direkt im Herzen der Stadt liegt, wäre ein Statement für eine den gesellschaftlichen und historischen Herausforderungen zugewandte Bundeshauptstadt.

Damit das Land Berlin diese Chance wahrnimmt, bedarf es einer Verstärkung des öffentlichen Drucks von Seiten der Zivilgesellschaft. Denn an städtebaulichen Entscheidungen zeigt sich wie im Reagenzglas, welche Ziele Politik verfolgt. Geht es um herrschaftliches Repräsentieren, kurzfristige Rendite oder um die konsequenter Förderung kultureller Vielfalt und nachhaltiger wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung? Paris hat es kürzlich mit dem „Kunstzentrum 104“ vorgemacht. In der Südlichen Friedrichstadt hat Berlin die Wahl – eine einmalige Chance. Doch die Politik hängt wie man weiß an den Lippen der Öffentlichkeit – wenn sie sich denn äußert.



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