Kunsthalle in Gefahr? Alternativstandort Blumengrossmarkt im Gespräch
Geringes Investoreninteresse an Humboldthafen - die Berliner Zeitung und BILD zweifeln an Wowereits Standortentscheidung
Bereits in in ihrer Pressemitteilung vom 22.12.08 bezweifelte die Initiative Berliner Kunsthalle die Nachhaltigkeit des Kunsthallendeals am Humboldthafen (die WELT berichtete). Regierender Bürgermeister Berlins und Kultursenator Klaus Wowereit hatte vorgeschlagen eine Kusthalle mit 2000 qm Ausstellungsfläche in einem Gesamtpaket von privaten Investoren am Humboldthafen erbauen zu lassen.
Das Interessenbekundungsverfahren für das 12.000 qm fassende Gesamtareal ist nun zu Ende. Nur drei Investoren haben sich beworben und, laut BILD, ohne Aussichten auf den Zuschlag des Senats. In Folge dieser, für Wowereit entäuschenden Entwicklung, scheint auch Kulturstaatssekretär André Schmits nur noch an einer "städtischen Kunsthalle" an sich festzuhalten, im Unterschied zur Pressemitteilung von vergangener Woche, jedoch den Standort Humboldthafen kaum noch zu betonen.
So folgert die BILD: "Die Stadt muss jetzt prüfen, ob sie die Kunsthalle selbst baut – und es überhaupt beim Standort Humboldthafen bleibt." (BILD 6.1.09)
Laut selbiger Zeitung heisst es hingegen beim für Landesimmobilien zuständigen Liegenschaftsfond: "Kein Kommentar".
Der Liegenschaftsfond scheint sich der Komplexität der Lage bewusst zu sein, denn auch beim Alternativstandort Blumengrossmarkt handelt es sich um eine Landesimmobilie.
Sebastian Preuss von der Berliner Zeitung nimmt die Krise der Humbolthafenpläne zum Anlass, um erneut für den Blumengrossmarkt als idealen Kunsthallenstandort zu werben: "...wer die Verhältnisse der Berliner Kunstszene kennt, dem wurde schnell klar, dass die Großmarkthalle fast übermächtig viele Vorteile mit sich bringt. Der charaktervolle Bau ließe sich mit vergleichsweise geringen Mitteln zum Ausstellungshaus umwidmen. Er liegt direkt in einem boomenden Galerienviertel, Ort und Atmosphäre sind für den Erfolg einer Kunsthalle ja besonders wichtig."
Scharf kritisiert Preuss den regierenden Bürgermeister: "Bauernschlau und zum Nulltarif will er die Kunsthalle vom künftigen Investor am Humboldthafen direkt neben dem Hauptbahnhof erbauen lassen. Um zu wissen, wie das wohl aussehen wird, braucht man sich nur in den Berliner Neubauprojekten der letzten Jahre umzusehen. Unschwer lässt sich vorstellen, wie die Kunst hier zwischen normierten Bürohühnerställen und Cafés im Einheitsdesign zu erstarren droht."
Schliesslich nutzt Preuss die Gelegenheit, die sich ankündigende Konkurenz um den Bumengrossmarkt zwischen Berliner Kunsthalle und Jüdischem Museum in Wohlgefallen aufzulösen: "Dabei müssen sich die Projekte (Erweiterung des Jüdischen Museums und Berliner Kunsthalle, F.S.) an diesem Ort gar nicht ausschließen. Für beide ist hier Platz genug."
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