Be Berlin vs. Bilbao-Effekt

Elke Buhr vom Monopol-Magazin bezieht Stellung in der Kunsthallendebatte: vernetzte Kunsthalle von unten statt Glamour-Tempel a la Bilbao

Von Elke Buhr (MONOPOL August 2009):

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"Es ist immer schön, wenn man weiß, was man will. Insofern ist Klaus Wowereit gerade klar im Vorteil. Der Regierende Bürgermeister Berlin hat zwar erklärtermaßen keine große Ahnung von Kunst. Wie er aber die neue Kunsthalle will, weiß er genau: In unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofs und des Museums Hamburger Bahnhof soll sie liegen, toll aussehen und in vier Jahren fertig sein. 2000 Quadratmeter Ausstellungsfläche sind geplant, so groß wie die Kunst-Werke an der Auguststraße...

...Hört sich gut an: Immerhin will der Senat damit genau das tun, was viele seit Langem fordern, nämlich: der rasant gewachsenen Kunstszene eine neue Heimat geben. Allerdings hat die Sache einen Haken: Eine Kiste zu bauen kann Spaß machen, reicht aber nicht, um einen lebendigen Kunstort zu erschaffen...

...Der Temporären Kunsthalle fehlt bislang die kuratorische Persönlichkeit, die aus ihr mehr als nur einen Container für Künstler und Künstlerinnen auf der Durchreise hätte machen können...

...Mehr Mut als dieses Trauerspiel macht gleichzeitig ein Entwurf aus der Berliner Kunstszene, der erstaunlich ausgereift wirkt. Die „Initiative Berliner Kunsthalle“, an der neben unabhängigen Kuratoren, Architekten und Stadtplanern Vertreter bestehender Berliner Institutionen wie Kunst-Werke, Künstlerhaus Bethanien und die Kunstvereine NBK und NGBK vertreten sind, favorisiert die Blumengroßmarkthalle an der Friedrichstraße in Kreuzberg, die ab 2010 frei wird. Dort, so das Konzept, wäre bei überschaubaren Umbaukosten nicht nur eine für die Kunstpräsentation hervorragende Halle mit Tageslicht von oben zu gewinnen, es wäre gleichzeitig noch Platz für Park- und Begegnungsflächen, Shops, Kinosäle, Galerien und Künstlerateliers. Zumal wäre die Lage in unmittelbarer Nähe des Jüdischen Museums, der Berlinischen Galerie und einiger Privatgalerien ideal für die Schaffung eines neuen, urban verwurzelten Kunstquartiers.

Mit den beiden vorgeschlagenen Standorten der Kunsthalle konkurrieren zwei Konzepte miteinander: Der Senat hofft auf einen Bilbao-Effekt, will einen repräsentativen Showroom, denkt an Touristen und den Glamour der globalisierten Kunstwelt. Eine Kunsthalle im Blumengroßmarkt Kreuzberg wäre dagegen ein lokaleres Pflänzchen, ein Ort mit Wurzeln in der sozialen Realität der Stadt – und ein Ort für die Künstler, die dort Produktionsstätten und Möglichkeiten zur Vernetzung finden könnten..."

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