Wowereit kalt von Kunsthallendebatte erwischt

Die Stiftung Zukunft Berlin lädt in der Temporären Kunsthalle zur Kunsthallen-Debatte. Ergebnis: Blumengroßmarkt ist klarer Favorit der Kunstszene

Am 7. Januar ludt die Stiftung Zukunft Berlin zur Kunsthallendebattein die Temporäre Kunsthalle am Schlossplatz. Damit wurde die Temporäre Kunsthalle erstmals, wie angekündigt, zum Ort der Debatte um die permanente Kunsthalle.

Zwei Tage vor der Diskussionsveranstaltung war klar geworden, dass die Pläne des Senats einer privat finanzierten Kunsthalle am Humboldthafen gescheitert sind. So konnte die Veranstaltung nicht zu einem besseren Zeitpunkt statt finden. (siehe Meldung vom 7.1.09).

Unter dem Titel “Wohin mit der Kunsthalle?” schreibt der Tagesspiegel: “So recht scheint ihr niemand eine Träne nachzuweinen: der Kunsthalle am Humboldthafen. Die große Begeisterung hatte der Vorstoß des Regierenden Bürgermeisters, den Bau durch den Tausch gegen ein Grundstück zu ermöglichen und den Investor dadurch zur Errichtung der Kunsthalle zu verpflichten, ohnehin nicht ausgelöst. Ein Kungelgeschäft, dem die Finanzkrise ein vorzeitiges Aus bescherte… Nun muss sich der Senat eine neue Lösung überlegen, denn Wowereits Versprechen gilt weiterhin, noch in dieser Legislaturperiode mit dem Bau zu beginnen”.

Die Debatte in der Temporären Kunsthalle war lebhaft und kontrovers. Gereon Sievernich, Direktor des Martin-Gropius Baus empfahl, die Schubkraft der temporären Kunsthalle zu nutzen, um die eigentliche Institution voranzutreiben. „Ansonsten geht die Entwicklung an uns vorbei...In drei, vier Jahren könnte es schon zu spät sein.“

Auch die geladene Grünen-Politikerin und Vorsitzende des Kulturausschusses im Abgeordnetenhaus Alice Ströver spricht sich dafür aus, mit der Kunsthalle „von politischer Seite ein Stützkorsett zu bauen, damit die Kreativität hier bleibt“. Zugleich betonte die Sprecherin der Initiative Berliner Kunsthalle den Blumengroßmarkt als idealen Kunsthallenstandort. Die Markthalle vis-à-vis dem Jüdischen Museum befinde sich, nahe der Berlinischen Galerie und zahlreicher in den letzten Jahren hinzugekommener kommerzieller Galerien, in einem spannendem Umfeld. Im Sommer 2010 verlassen die Blumenhändler das Quartier. Gegenwärtig plant das Jüdische Museum auf der Hälfte des Areals ein „Education Center“. Der restliche Platz eigne sich perfekt für eine Kunsthalle.

Dimitri Hegemann, Begründer des Technoclubs Tresor, Betreiber des künftigen Veranstaltungsorts Kraftwerk Mitte und Verfechter der privaten Finanzierung war alles andere außer eine Ruinenästhetik nicht „wild“ genug. Denn die Künstler suchten das „industrial design“, den Charme der alten Mauerstadt. Die bisher geplanten 2000 Quadratmeter seien für eine internationale Kunsthalle viel zu klein. Er lasse in seinem Kraftwerk mal eben 10 000 Quadratmeter brach liegen, gerade das Unfertige rege die Fantasie an.

Als einzige verteidigte Brigitte Lange, für die SPD im Kulturausschuss, die Wowereit-Position für den Standort Humboldthafen und drohte mit der Wiederholung der gescheiterten Ausschreibung.

Hingegen warnte Werner Tammen vom Landesverband Berliner Galerien vor einer unseligen Konkurrenz zwischen Kunsthalle und benachbarten Hamburger Bahnhof am Humboldthafen. Am Blumengroßmarkt hingegen finde sich ein gewachsenes und spannendes Umfeld, was einer Berliner Kunsthalle förderlich sei.

Ansonsten war sich das Podium bis auf Dimitri Hegemann einig, dass das Land Berlin Finanzierung und Unterhalt der Kunsthalle übernehmen müsse. Denn die Zeiten der Public-Private-Partnerschaft seien vorbei, warnte Gereon Sievernich.

Mit den gescheiterten Kunsthallenplänen am Humboldthafen hat Berlin das erste Opfer der Finanzkrise zu verzeichnen. Bis auf Brigitte Lange waren sich alle einig, dass es sich dabei um einen für die Stadt zu begrüßenden Reihnigungsprozess handelt. Die Kunsthallendebatte geht also in eine neue Runde.

Zur Frage wo die Berliner Kunsthalle zukünftig ihren Platz finden sollte schreibt Berliner Morgenpost in Reaktion auf die Diskussionsveranstaltung: “Der Senat muss realistisch planen. Schaut man sich in der Stadt um, so wäre die Wahl des Standortes Blumengroßmarkt in Kreuzberg momentan wohl die realistischste und gleichwohl solideste.”

 

Lesen Sie die Berichte zur Kusthallendebatte in den Onlinearchiven der Berliner Morgenpost und des Tagesspiegels. Siehe LINKs



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