Kunsthallenstandort verkündet
Berlin baut Bilbao: Eine Kunsthalle am Humboldthafen ist beschlossene Sache. Die Nachnutzung des Blumengroßmarktes steht neu zur Debatte.
Mit der Ankündigung einer Kunsthalle am Humboldthafen am 30.09.08 hat der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit der Kunsthallendebatte eine neue Wendung gegeben. Geplant ist ein spektakulärer Museumsbau à la Guggenheimmuseum in Bilbao und die Konzeption und Realisierung des Projektes durch private Investoren. Zudem soll die Kunsthalle im Verbund mit einem Sammlerhaus für moderne Kunst errichtet werden. Bis 2009 werden Investorenpläne vom Senat begutachtet, 2010 ist Baubeginn.
Die kulturpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnentenhaus und Sprecherin der Initiative Berliner Kunsthalle Alice Ströver stellt die Schlüssigkeit dieses Projektes in Frage. Es sei "ein kulturpolitischer Kardinalfehler", die Schaffung der Berliner Kunsthalle an das kommerzielle Interesse eines Investors zu koppeln. Vielmehr diene die Kunsthalle nunmehr dem Zweck „einen Ort der Wertsteigerung für private Kunstsammlungen zu etablieren". Statt ein spannendes und unabhängiges Kunsthaus zu schaffen, das kreative und ergebnisoffene Impulse setzt, wie es z.B. im Berliner Blumengroßmarkt möglich sei, betreibe der Berliner Senat „ausschließlich Investorenpolitik."
Sebastian Preuß von der Berliner Zeitung schreibt: „Berlin braucht keinen Bilbao-Effekt; es ist längst eine der aufregendsten Kunststädte der Welt. So einfach ist die Kunst nicht zu instrumentalisieren.“ Und mit dem Berliner Blumengroßmark verfüge die Stadt längst über einen Kunsthallenstandort inmitten eines anwachsenden Kunstviertels, der alle und insbesondere die Kunstszene begeistere. Preuß zufolge seien Zweifel an der kulturpolitischen Kompetenz des regierenden Bürgermeisters bzw. seiner Berater angebracht.
Was die Nachnutzung des Berliner Blumengroßmarktes betrifft, widersprechen sich die Ankündigungen seitens des Senates. Während Kulturstaatssekretär André Schmitz sich "eine andere kulturelle Nutzung auch weiterhin gut vorstellen" kann, habe laut Berliner Morgenpost der Berliner Liegenschaftsfonds längst andere Pläne: "Die Halle wird abgerissen und ich freue mich auf ein innerstädtisches Wohnquartier mit Townhouses", so Holger Lippmann Geschäftsführer des Liegenschaftsfonds.
Welche konkreten Ideen für das 28.000 qm fassende Gelände der Blumengroßmarkthalle entwickelt werden bleibt indes abzuwarten. Denn was die konkrete Bebauung des Areals betrifft, hat auch das Bezirksamt von Friedrichhain-Kreuzberg ein gewichtiges Wort mit zureden, welches sich in Person des Bezirksbürgermeisters Dr. Franz Schulz weiterhin für eine kulturelle Nutzung der Halle ausspricht.
In welcher Form und mit welchen Zielen die Initiative Berliner Kunsthalle ihre Arbeit fortsetzt, wird sich in den nächsten Wochen entscheiden. Helmut Riethmüller, Vorstand des ortsansässigen „Forum Berufsbildung“ und einer der Sprecher der Initiative Berliner Kunsthalle sagte dazu: „Diese Entwicklung wurde uns intern angekündigt und hat uns daher nicht überrascht. Nun gilt es die weiterhin bestehenden Potentiale des Standortes Blumengroßmarkt darzustellen und für das Gesamtareal sowie das umliegende Quartier kreative Ideen und Perspektiven aufzuzeigen. Viele der von uns entwickelten Konzepte lassen sich auch in anderer Form umsetzten und sollten öffentlich diskutiert und weiterentwickelt werden“. Im Verbund mit anderen Institutionen werde man sich weiterhin für eine kulturelle und innovative Entwicklung der vorhandenen Flächenpotentiale einsetzten.
Lesen Sie in den unten aufgeführten Presseartikeln mehr über die aktuellen Entwicklungen in Sachen Berliner Kunsthalle.


