„Was ist eine Kunsthalle“

Eine Kunsthalle ist ein Ort des Heutigen, muss aber gleichzeitig in der alltäglichen konzeptionellen Praxis zu einem Ort den Morgigen werden.

Eine Kunsthalle neuen Typs ist ein Verbindungsglied zwischen den Ebenen der Galerien und der Museen und entwickelt Alternativen zur institutionellen Kunstpräsentation.

Eine Kunsthalle ist ein Produktions-, Präsentations-, Austausch-, Bildungs- und Lernort.

Eine Kunsthalle neuen Typs praktiziert nicht nur klassische Vermittlungsarbeit, sie erprobt Modelle der tatsächlichen Kommunikation mit dem Publikum.

Wenn ein Kunsthallen-Programm geplant wird, sucht es eine transdisziplinäre Ausrichtung und ist gleichzeitig offen für die avanciertesten Projekte, die vor Ort wie auch anderswo entstehen.

Ein zeitgenössisches Kunsthallen-Konzept ist deshalb auf einen visuellen bis ganzheitlichen Erlebniskomplex orientiert und animiert Produzenten, Distributoren und Rezipienten zur Teilnahme an und der Auseinandersetzung mit aktuellen Prozessen der Gegenwartskunst.

Eine Kunsthalle muss bewusst die Vernetzung mit den ortsansässigen Institutionen suchen, an der Auflösung der Gattungsgrenzen arbeiten, von Anfang an ein Kreativort sein und populär werden wollen. Partizipatorische Ansätze im Präsentationskonzept einer Kunsthalle widersprechen freilich nicht der Möglichkeit, die Kunsthalle als feste, räumlich umrissene Aktionsbasis zu denken und zu betreiben.

Eine Kunsthalle ist kein privater Ausstellungsort, sondern ein Kulminationspunkt des Öffentlichen. Die dauerhafte Präsentation von privaten Leihgaben gehört nicht zur Aufgabe einer Kunsthalle.

Das Aufgabenfeld eines Kunsthallen-Teams gleicht dem einer Produktionsgemeinschaft, die man sich als kuratorische, theoretische und kritische Kooperation mit den beteiligten Künstlern und Partnern vorzustellen hat.

 

© Christoph Tannert, April 2008


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